Niederösterreich 3D

Eine neue Dimension

Amphitheater in Petronell-Carnuntum


Wie fast jede größere römische Stadt besaß Carnuntum einen Versammlungsort in Form eines Amphitheaters. Es konnte erst Anfang des 20. Jahrhunderts lokalisiert werden, bis dahin wurde es als Wildschonung (sogenannte Grüblremise) genutzt. Anhand eines dort aufgefundenen Inschriftenquaders konnte es zweifelsfrei als das lang gesuchte Amphitheater der Zivilstadt identifiziert werden. Da über der Humusschicht, die sich seit der Römerzeit angesammelt hatte, noch eine weitere Schuttschicht lag, vermutete man, dass es im 18. Jahrhundert durch Steinraub für den Bau des traunschen Schüttkastens und der Mauer des Tiergartens schwer beschädigt worden war. Es fasste bis zu 13.000 Zuschauer und konnte für Gladiatorenkämpfe, Tierhatzen und Bürgerversammlungen verwendet werden. Es wurde in der ersten Hälfte des 2. Jahrhunderts fast zur Gänze in Stein erbaut und lag südlich der Zivilstadt, nur knapp 300 Meter von der Stadtmauer entfernt, in einem dicht bebauten Vorort. Wahrscheinlich wurde es im 3. Jahrhundert noch einmal umgebaut oder repariert, wie die Verwendung von Spolien in der Ostmauer annehmen lässt. Das etwa 127,5 × 111 Meter große Gebäude hatte die Form einer von Norden nach Süden ausgerichteten, unregelmäßigen Ellipse. Entweder hatte der Architekt versucht, das Theater weitgehend an die natürliche Mulde anzupassen oder man hatte gleichzeitig an beiden Enden zu bauen begonnen. Man konnte es von Norden und Süden aus durch zwei lange Korridore, die durch zwei Pfeilerreihen in drei Quergänge gegliedert und mit den sieben Meter breiten Toranlagen verbunden waren, betreten. Das leicht zur Donau abfallende Nordtor war 22 Meter lang. Dort fand man eine massive Steinschwelle, auf der wohl einst die beiden hölzernen Torflügel lagen. Östlich des Nordtores lag der Eingang zu einer Totenkammer (spoliarium), in der während der Spiele Verletzte und Tote abgelegt wurden. Das Südtor war ähnlich konstruiert. Vor beiden Toren lag ein trichterförmiger Hof, am Nordtor schloss sich noch ein zweiräumiges, rechteckiges Gebäude an, vielleicht das Nemeseum des Amphitheaters. Letzteres könnte sich aber auch in einem Raum mit Wandmalereien hinter dem Westzwinger befunden haben. Der Boden der Arena (caeva) bestand aus einer festgestampften Kiesschicht auf Lehmuntergrund und senkte sich zur Mitte hin etwas ab (Gefälle 40 cm). Dort befand sich ein steingefasstes, zweieinhalb Meter tiefes Wasserbecken. Im Westen und Osten der Arenamauer stieß man noch auf zwei weitere Eingänge, die zu den Tierzwingern (carceres) führten. Der westliche Zwinger hatte zwei Räume. An der Rückwand befand sich ein kleines Fenster, von ihm aus konnte man mit Spießen und Fackeln die Tiere in die Arena treiben. Im Süden der Arena stieß man auf einen zwei Meter langen Steinblock, an dessen Oberseite ein Eisenring befestigt war. Wahrscheinlich wurden dort während der Spiele Tiere oder Gefangene angekettet. Die stufenförmig emporsteigenden Zuschauertribünen (bis zu zwölf Reihen) umgaben die 68 × 52 Meter große Arena und erreichten vermutlich eine Höhe von 18 Metern. Die Sitzflächen bestanden aus Holz. Die 4 Meter hohe Arenamauer war anfangs gelb, später rot bemalt. Sie war durch speichenförmig angeordnete Stützmauern, die die Substruktionen, nach außen hin ansteigende Gewölbe, der 25 Meter tiefen Zuschauertribüne trugen, mit der Außenmauer verbunden. Sie war teilweise mit Marmor verkleidet, an ihrer Unterseite wohl mit Strebepfeilern und Bogenarkaden gegliedert und von einem umlaufenden gepflasterten Weg begleitet, der zu den Zuschauereingängen führte. Einige sind noch an der Westseite sichtbar. Hinter der Arenamauer standen im Abstand von zwei und sechs Metern noch zwei weitere Ringmauern. An der Ostseite befanden sich drei repräsentative Logen für Ehrengäste (Stadtrat, Offizierskorps, Statthalter). Über den Zuschauerrängen waren steinerne Platztafeln angebracht. Zwei davon, eine für die Bürger des Landbezirks Aelenus (loca Aeleni pagi) und eine für das Priesterkollegium der Augustalen (loca Augustalium m[unicipii] A[elii] K[arnunti]) konnten bei den Ausgrabungen geborgen werden.  Text: wikipedia.org


Objektfotos

  • Niederösterreich 3D - Carnuntum - Amphitheater
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